Pressestimmen

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HNA
Projekt-Mitarbeiter rekonstruieren mittelalterlichen Handwerksbetrieb im Solling

Glashütte am Lakenteich

23.06.10

Uslar. An der ehemaligen Glashütte am Lakenteich im Solling wird wieder gearbeitet. Aber nicht für die Herstellung von Glas, sondern an der Rekonstruktion der Wanderglashütte, die etwa in den Jahren von 1655 bis 1690 betrieben wurde. Unter der Federführung des Vereins Kultur-Naturhistorischer Dreiländerbund Weserberglang (KNDW) wird in Zusammenarbeit mit zehn von der Arbeitsagentur Uslar beschäftigten Arbeitern eine Teilrekonstruktion realisiert.

Schutz für die alte Glashütte: Vom Verein Kultur-Naturhistorischer Dreiländerbund Weserbergland (KNDW) in Kooperation mit der Arbeitsagentur Uslar beschäftigte Arbeiter haben die historische Grabungsstätte am Lakenteich mitten im Solling anschaulich rekonstruiert und fertigen jetzt gerade eine rustikale Überdachung an. Vorn im Bild der KNDW-Vorsitzende Jürgen Koch mit den Forstamtsmitarbeitern Norbert Müller und Uwe Sonnabend aus Dassel. Zum Richtfest gab es gestern belegte Brötchen und Kaffee. Foto: Dumnitz

Gestern wurde die Arbeit kurz unterbrochen. Für ein verlängertes Frühstück als kleine Richtfest-Feier. Die Mitarbeiter des Projektes haben seit April viel Boden von der Fundstelle der Glashütte abgetragen und so einen Teil der Buntsandstein-Fundamente des früheren Glasofens freigelegt. Einzelteile sind nach historischen Vorlagen rekonstruiert worden und sollen künftig Einheimische und Touristen gleichermaßen anlocken.

Der Hauptofen wurde mit einem rustikalen Bauwerk versehen, das die Fundstelle vor Witterungseinflüssen schützten soll. Das Dach soll später mit besandeter Teerpappe regendicht gemacht werden, hieß es bei der Vorstellung des Projektes.

KNDW-Vorsitzender Jürgen Koch (Lauenförde) lobte vor Vetretern der Arbeitsagentur und des Forstamtes Dassel ausdrücklich das Geschick und die Motivation der Projekt-Beschäftigten. Ohne deren Hilfe wäre die Umsetzung der Sichtbarmachung der historischen Spuren nicht möglich gewesen, sagte Koch. Außerdem dankte er dem Forstamt Dassel für die Bereitstellung des Bauholzes sowie für die Beteiligung an der Gesamtfinanzierung. Laut Koch wird die Gestaltung der kulturhistorischen Anlage etwa 10 000 Euro kosten. Dazu kommen Pflege- und Unterhaltungskosten in den nächsten Jahren. Die Pflege der Anlage, die laut dem stellvertretenden Dasseler Forstamtsleiter Norbert Müller eine sinnvolle touristische Bereicherung des Sollinglandschaft ist, will der KNDW übernehmen, der dafür weiter auf die Kooperation mit Michaela Ludwig von der Uslarer Arbeitsagentur setzt.

Bis Ende Juli soll die Überdachung der früheren Glashütte sowie die Einfassung, Teilrekonstruktion und die Aufschüttung mit Hackschnitzeln auf den Wanderwegen abgeschlossen sein. Bei der Arbeit in den vergangenen Wochen wurden etliche Glasscherben gefunden, die den Besuchern der alten Glashütte nicht vorenthalten werden sollen. Die Glasmacher, so Koch, wurden damals gut bezahlt: Sie hatten viel Wissen und Kompetenz und waren gefragte Fachkräfte. Mehr Bilder im Internet unter: www.hna.de/fotos

Von Jürgen Dumnitz


01.08.2008

Einst größer als Göttingen

Die Wüstungen Winnefeld und Schmeessen vor 800 Jahren: Eine dynamische Zeit

WINNEFELD. "Damals hat es hier richtig gebrummt", sagt Prof. Dr. Hans-Georg Stephan, und meint die Region um Winnefeld und Schmeessen vor 800 Jahren. "Es war eine Zeit des wirtschaftlichen Booms". Es gab eine Bevölkerungsexplosion und eine "atemberaubende Siedlungsgestaltung".

Um weitere Spuren dieser Geschichte an die Erdoberfläche zu holen, sind die Archäologen wieder im Solling aktiv. Bis Mitte September helfen 20 bis 25 Studenten und Ein-Euro-Jobber bei den Grabungen. Durch frühere Funde weiß man, dass Schmeessen schon zu karolingischer Zeit (8. Jahrhundert) bewohnt war. Die Forscher vermuten sogar einen Herrenhof, von dem aus ein sächsischer Herzog einen weiten Blick über die noch unbewaldete Landschaft hatte.

Siedlung im Bergland

Zwischen 1150 und 1200 folgte eine zweite wichtige Phase, in der viele Siedlungen erschlossen wurden, und zwar nicht nur im fruchtbaren Leinetal, sondern auch im Bergland. Prof. Stephan: "Das Mittelalter war eine außerordentlich dynamische Zeit."
In Schmeessen entdeckten die Archäologen statt der vermuteten Kapelle sogar die Reste einer 8,50 mal 16 Meter großen Turmkirche. Diesen Typ Kirche, die den Schutz eines Wehrturmes mit der sakralen Funktion verbinde, gebe es nur in Südniedersachsen, sagt Prof. Stephan, der früher an der Uni Göttingen arbeitete und nun an der Universität in Halle lehrt.
Noch größer als Schmeessen war Winnefeld, wo Besucher bereits die rekonstruierten Mauerreste einer 30 mal 9 Meter großen romanischen Pfarrkirche mit Westturm und Langhaus bestaunen können. Die Größe dieser Kirche war für die Wissenschaftler ein Hinweis auf eine größere Siedlung von etwa 300 Meter Länge entlang des Baches.
"Dann hat uns der Sturm Kyrill eines Besseren belehrt", sagt Prof. Stephan. Unter umgestürzten Fichten fanden die Forscher nämlich Siedlungsspuren bis 1500 Meter in Richtung Westen und 200 Meter in Richtung Osten. Zum Vergleich: Damals war Göttingen 500 mal 400 Meter groß.

Später Niedergang

Der Niedergang kam im Spätmittelalter mit Seuchen und Wirtschaftskrisen. Und es gibt eine neue Vermutung: "Wir haben Anhaltspunkte für eine Klimakatastrophe gefunden." Möglicherweise habe eine Jahrtausendflut im Juli 1342 zu einer flächenhaften Bodenerosion geführt, sagt Stephan. Ohne Felder fehlte der Bevölkerung die Lebensgrundlage. Nach Beweisen für diese Hypothese suchen die Archäologen unter anderem in diesem Sommer.
Fest steht, Schmeessen und Winnefeld waren noch länger bewohnt. Den Todesstoß hätten beiden Siedlungen im Jahr 1447 böhmische Söldner versetzt, die auch Beverungen und Lauenförde zerstörten, so Prof. Stephan. "Erst dann sind die Orte verödet und erst dann ist die heutige Waldfläche entstanden."

Von Kornelia Schmidt-Hagemeyer


Grabungen: Suche nach Grubenhäusern

Um Besuchern die Funde in Schmeessen und Winnefeld nahe zu bringen, sollen die Bauwerke so weit wie möglich rekonstruiert werden. In Winnefeld stehen bereits wieder Reste der Kirchenmauern.
In diesem Sommer versuchen die Archäologen unter anderem, die Grenzen des Kirchhofs zu finden. Außerdem wird südöstlich der Kirche nach einem Speicher gesucht. Früher hätten die Bauern ihre Habe in der Kirche als dem sichersten Ort untergebracht, erklärt Prof. Stephan. Alternativ wurde ein nahe gelegenes Gebäude wie ein Speicher zur Unterbringung der Kornernte genutzt.
In Schmeessen wird derzeit der Wiederaufbau der Kirchenmauern vorbereitet. Außerdem wird im Bereich des Friedhofs neben der Kirche nach Beweisen für zwei Grubenhäuser gesucht. In Richtung Süden vermutet Prof. Stephan eine ganze Dorflage. Ob dort je gegraben wird, ist unklar. Denn die Finanzierung des Forschungsprojekts ist jeweils nur für ein Jahr gesichert. (shx)

Hintergrund: Forscher plagen Geldsorgen

Unterstützt wird das Grabungsprojekt in Winnefeld und Schmeessen vom Verein Kultur-Naturhistorischer Dreiländerbund. Das Projekt sei wichtig für den Tourismus, sagt der Vorsitzende Jürgen Koch. "Unser Ziel ist es, die Funde wieder herzurichten und einem breiten Publikum zu zeigen." Der Verein habe aber nur begrenzt Geld.
Zu den Geldgebern gehören neben dem Kreis Holzminden die Robert-Bosch-Stiftung sowie das Arge-Jobcenter des Arbeitsamtes Holzminden. 80 000 Euro gab die Arbeitsagentur seit 2005 vor allem zur Finanzierung von Ein-Euro-Jobs.
Zur Sicherung der Forschung in den nächsten fünf Jahren hatte Prof. Stephan zuletzt einen Förderantrag beim Land Niedersachsen gestellt, der jedoch nicht bewilligt wurde. Für ein Jahr Arbeit brauche man mindestens 140 000 Euro, sagte Stephan. Der Verein Kultur-Naturhistorischer Dreiländerbund sammelt auch Spenden für das Projekt. (shx)
Kontakt: Jürgen Koch, Telefon 05273-7147,
www.kndw-ev.de


05.09.2007:


Geschichte zum Anfassen
Am Montag beginnt die Grabung nach einer Glashütte am Lakenteich

ESCHERSHAUSEN. Das Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen beginnt in der nächsten Woche mit umfangreichen Grabungsarbeiten am Lakenteich beim Großen Mittelberg im Solling. Der Verkehrsverein Eschershausen und die Touristik-Information in Uslar haben sich die Begleitung des mindestens einjährigen Grabungsprojektes auf die Fahnen geschrieben. Sie wollen für Urlauber und Gäste der Region die Kulturgeschichte transparent und anschaulich machen. Unter der Leitung von Prof. Hans-Georg Stephan vom Seminar für Ur- und Frühgeschichte hat eine kleine Helfergruppe bereits mit den Vorbereitungen begonnen. Später sollen 20 Studenten und Archäologen die Arbeit aufnehmen. Die Fachleute wissen, wonach sie suchen: Nach Resten einer Waldglashütte aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Nahe dem Lakenteich weisen Bodenhügel auf die Arbeit von Glasmachern hin, wenige Zentimeter unter dem weichen Waldboden kommen bereits erste Scherben zum Vorschein. Den Standort im Wald bezeichnet der örtliche Grabungsleiter Lothar Türck als sehr gut: Rund 30 Jahre soll an der markanten Stelle mit Holz für mindestens drei Brennöfen gearbeitet worden sein. Oftmals hätten die damaligen wandernden Glasmacher schneller die Standorte gewechselt, wenn die Bedingungen sich verschlechtert hätten, sagt Türck. In einer bereits vorgearbeiteten Höhenlinienkarte mit nur wenigen Zentimetern Abstand werden die Standorte für Öfen und die Glasmacherhütte deutlich. Ziel der Grabung ist die Freilegung einzelner Sequenzen, um einen Eindruck der Arbeitstechniken zu erhalten. Scherben und Produktionsabfälle sowie die Beschaffenheit der Bauwerke sollen darüber Aufschluss geben. Auch die Arbeitsprozesse wollen die Archäologen erkunden. Erforscht werden sollen die regionalen Wirtschaftswege aus längst vergangenen Tagen. Stephan wünscht sich, dass auch Uslarer Schulen Interesse an den Grabungen zeigen. Das Grabungsgelände ist bereits vermessen. Erdmagnetische Untersuchungen gaben Aufschluss über die Anordnung der Waldglashütte.(ZJS)


20.7.2007:


Torbogen ins Mittelalter

In Nienover wird das Fachwerk für die Rekonstruktion eines Hauses gezimmert

Von Jürgen Dumnitz

Nienover. Die Rekonstruktion des mittelalterlichen Hauses auf der Grabungsstelle der versunkenen Stadt Nienover nimmt Form an. Zimmerleute richten die tonnenschweren Eichenbalken und sind handwerklich besonders gefordert, denn das Bäckerhaus aus dem Jahre 1190 soll möglichst originalgetreu nachgebaut werden. Darüber wacht neben Kreisbauamtsleiter Ralf Buberti auch Kreis-Archäologin Petra Lönne, die sehr fasziniert ist von dem Bauwerk, das später den Menschen einen leibhaftigen Einblick in das Mittelalter bieten soll.

95 Raummeter Eichenholz-Balken von Bäumen aus dem Reiherbachtal hat der Zimmermeister und Denkmalpfleger Heiko Engelhardt (45) aus Istrup bei Detmold teilweise schon vorgefertigt. Zusammen mit seinen Kollegen, dem Schreinermeister Claus Amarell (35), und dem Zimmergesellen Sascha Teuteberg (31) aus Bodenfelde, stellt er die schweren Bauteile seit Montag auf die Buntsandstein-Fundamente. „Frisches Holz lässt sich am besten verarbeiten“, sagt Engelhardt. Dass das Holz schwindet und trocknet ist gewollt, schließlich soll das Gebäude wie früher aussehen. Die sichtbaren Teile des Fachwerks sind mit einem Dechsel bearbeitet worden: Das ist eine Art scharfe Hacke, mit der eine rauh-behauene Oberflächen-Struktur entsteht. Überblattungen bei den Balken und Verzapfungen mit Holznägeln machen den Zimmerleuten Spaß. Sowas ist heute nur noch selten gefragt. Die Männer haben sichtlich Freude an ihrer Arbeit. Ein paar Wochen werde die Zimmermannsarbeit noch dauern. Ende August soll Richtfest sein und im September sollen die Lärchenholz-Schindeln zur Dacheindeckung montiert werden. „Das war damals so“, weiß Petra Lönne. Die Rekonstruktion stütze sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse der mehrjährigen Grabungen von Prof. Dr. Hans-georg Stephan (Göttingen) und Forschungen des Bauhistorikers Dr. Hubertus Michels (Detmold).


28.06.2007:


Spuren aus der Zeit Karl des Großen

Zwischen Bad Karlshafen und Lauenförde lag einst das mittelalterliche Dorf Smedersen, das heute als Schmeessen bekannt ist. Ab dem 14. Jahrhundert verfiel der Ort und wurde vermutlich 1447 nach der Soester Fehde endgültig zerstört. Im Rahmen der Exkursion des Arenborner Heimat- und Kulturvereins erklärte Jürgen Koch (im Bild vorn), Vorsitzender des Kultur-Naturhistorischen Dreiländerbundes Weserbergland (Lauenförde), den Teilnehmern die Ausgrabung der Reste der ehemaligen Schmeessener Kirche. Der rechteckige Bau wurde im 12. oder 13. Jahrhundert erbaut. Seit 2005 wurden in aufwändiger Arbeit die Grundmauern freigelegt und beim Durchsieben von mehreren Tonnen Material wichtige Metallspuren gesichert. Vergangenes Jahr wurden zudem Gräber nachgewiesen. Löcher von Holzpfählen und Keramikfunde deuten auf einen noch älteren Bau und eine Besiedlung im 8./9. Jahrhundert hin. Die Ausgrabungen sollen im August fortgesetzt werden, hieß es am Rande des Rundgangs. (zlö/nh) Foto: Löschner/nh


14.8.2007:


Neues Leben in der Wüste

Besucherandrang beim Mittelalterfest in Schmeessen - Start für Tourismusprojekt

Schmeessen. Wie bitte? Schmeessen? Zugegeben, Schmeessen gibt es gar nicht mehr. Vor 560 Jahren zerstörten marodierende böhmische Truppen das längst wüste Sollingdorf, das zwischen dem heutigen Bad Karlshafen und Lauenförde lag. Trotzdem wurde am Wochenende in Schmeessen groß gefeiert. „Heute ist der Wendepunkt“, sagte Initiator Jürgen Koch. „Die Zerstörung ist beendet, jetzt wird wieder aufgebaut.“ Schmeessen soll es bald wieder geben. Einen Vorgeschmack (oder einen Rückblick) auf das Leben in Schmeessen bot der zweitägige Mittelaltermarkt, der am Waldrand im Brüggefeld (nahe Schmeessen) stattfand. Gaukler, Ritter, Handwerker, Küchenmeister und viele Gäste waren aus dem weitem Umkreis gekommen.

Ausgerichtet wurde das Spektakel vom Kultur-Naturhistorischen Dreiländerbund Weserbergland (KNDW). Dessen Vorsitzender und Gründer ist Jürgen Koch. Das große Ziel des Vereins ist der Aufbau eines Archäologie- und Umweltparks im Dreiländereck. Mit dem Mittelaltermarkt will der Verein diesem Ziel ein Stückchen näher rücken. Unter den Gästen war zum Beispiel Madame Lulu. Die junge Dame hatte die Aufgabe die richtige Haustür zu finden. Beim Mäuseroulette. Maus Lulu suchte auf das Kommando ihrer Herrin, Amira Bakhit, das richtige Haus. Dem Sieger winkte auch eine Maus, allerdings als Spielzeugexemplar. Neben kleinen weißen Mäusen gab es auch große und eher dunkle Gestalten auf dem Mittelaltermarkt. Ritter wie Dennis Hannibal und Thomas Wilhelm zum Beispiel. Wilhelm hatte beim Markt alle Hände voll zu tun und schlug mit seinem Schwert die jüngsten Besucher zu Rittern. „Das ist heute unsere Auftaktveranstaltung als Interessengemeinschaft“, berichtete der Hamelner und plant für die Zukunft, selbst Kettenhemden zu knüpfen. Derzeit beschränkt sich das ritterliche Dasein auf die Darstellung des Lagerlebens, das auch beim „Projekt Begegnung“ aus Fürstenberg zu bewundern war.

Bei der Planung des Festes haben die Fürstenberger dem KNDW zur Seite gestanden, bauen sie doch gerade ein Mittelalterdorf an ihrer Jugendherberge. In Zukunft soll die Zusammenarbeit ausgebaut werden. Der KNDW hat noch viel vor. Während von der Kirche in Winnefeld nur die Grundmauern teilweise rekonstruiert wurden, soll die Kirche in Schmeessen nach Kochs Vorstellungen komplett wieder aufgebaut werden. Beim Mittelaltermarkt gab sich derweil auch Karl der Große die Ehre. In einer Waldlichtung fand man ein Wikingerlager. Bekannte und unbekannte Klänge gab es von Musikgruppen und einem Drehorgelmann. Feuershow, Tanz, Aktionen und Stände sorgten für Abwechslung. Kurz: In Schmeessen war richtig Leben am Wochenende. (zmd/nh)


04.11.2006:


Keller für mittelalterliches Haus steht

Auf dem Gelände der mittelalterlichen Stadt Nienover wird gebaut: Mit dem Verein Kultur-Naturhistorischer Dreiländerbund Weserbergland (Lauenförde) hat der Landkreis Northeim als Projektträger einen aktiven Partner für die Rekonstruktion des mittelalterlichen Hauses an der Grabungsstelle gefunden. In Eigeninitiative wurde der Keller bereits gemauert (Bild). Die erste Euphorie wegen einer Realisierung für 300 000 Euro sei gebremst: Es fehlt Geld zur Unterstützung, sagt Ralf Buberti, Leiter des Bau- und Umweltamtes des Landkreises. Sponsoren aus der Region werden dringend gesucht und Partner für eine kostengünstige Erstellung des Nachbaus ebenso. Buberti will den Verein mit einbinden und versucht zudem, die Berufsbildenden Schulen Northeim mit ins Boot zu bekommen. Buberti verfolgt weiter das Ziel, das gesamte Gebäude zu bauen und ist unter Telefon 05551-708146 zu erreichen. (jdx) Foto: Dumnitz


18.08.2006:

Räderspur des Mittelalters

Grabungen an Winnefelder Kirchenruine bringen wichtige neue Aufschlüsse

winnefeld. Eine Teilrekonstruktion der mittelalterlichen Kirchenruine Winnefeld aus dem Jahre um 1150 ist das Ziel der archäologischen Grabungen in unmittelbarer Nähe der Bundesstraße 241 zwischen Amelith und dem Forstamt Winnefeld. Dass unweit der heutigen Straße auch schon im Mittelalter ein Weg durch den Solling verlief, beweisen frisch freigelegte Räderspuren in den Erdschichten unter dem Fundament der Kirchenruine. Grabungsleiter Henning Franzmeyer und der Chef der Grabungen, Prof. Dr. Hans-Georg Stephan von der Uni Halle-Wittenberg, korrigieren durch den neuerlichen Fund das Entstehungsdatum der Kirche, dessen Ruine seit vier Jahren von Archäologen in mehreren Grabungsprojekten nahezu freigelegt worden sind. Bisher ging man davon aus, dass die Kirche etwa um 1200 nach Christi erbaut wurde, also 50 Jahre später.

Eine Studentengruppe ist derzeit mit Restgrabungen an den Fundamenten der Kirche beschäftigt. Von der Uslarer Arbeitsagentur wurde zusätzlich eine AB-Maßnahme mit 15 Hilfskräften bis zum 15. Dezember bewilligt, ein Folgeprojekt sei nicht ausgeschlossen, sagte Prof. Stephan. Zunächst sollen alle archäologischen Funde gesichert und im Winter ausgewertet werden. Gleichzeitig soll die Grabungsstätte winterdicht gemacht und eine dauerhafte Überdachung vorbereitet werden. Für die Teilrekonstruktion müssten die Fundamente aufgemauert werden. Das Grabungsstellen touristisch interessant sind, werde durch bis zu täglich 100 Besuchern etwa an der Grabung in Schmeessen deutlich. Auch Winnefeld solle dauerhaft als zugänglicher Ort der Geschichte erhalten bleiben und den Touristen anschaulich präsentiert werden. Für das Dach-Projekt fehlt aber Geld, macht Prof. Stephan deutlich. „Wir sind dankbar über jeden Euro für dieses Zeitzeugnis.“ (jdx)


14.8.2004:

Knochenjob für Knochenfunde
Vorspann:Grabungen bei Winnefeld zeigen: Leben im Mittelalter kein Zuckerschlecken

WINNEFELD. Ein hoher Wall aus Steinen und Dreck umgibt die Kirchenruine Winnefeld, die bei Grabungsarbeiten unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Georg Stephan vom Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen zum größten Teil freigelegt ist. Im Inneren der 30 Meter langen und neun Meter breiten mittelalterlichen Ruinenmauern sind 30 Archäologen und Studenten bei der Feinarbeit, um Spuren aus der Vergangenheit zu finden. Einige beachtliche Fundstücke gibt es bereits: Keramik von Gebrauchsgütern aus der Zeit der Kreuzzüge und Skelette von rund 60 Menschen, die im Schatten der einst imposanten Kirche beigesetzt wurden. In wenigen Jahren ist die Kirche kurz nach dem 12. Jahrhundert errichtet worden, sagt Stephan. Und der Kirchhof sei eine Quelle zur Bevölkerungsgeschichte im ländlichen Raum. Die Menschen wurden damals nicht alt, wie etliche Skelette von Babys und Kleinkindern beweisen. Wer die Kindheit überlebte, wurde damals im Schnitt 35 Jahre alt, sagt der anthropologische Grabungsleiter Jan Novaczek von der Uni Brünn in Tschechien. Manche Skelette weisen aber auch auf 50 Lebensjahre hin. Die meisten Knochenfunde zeugen von schlechtesten Lebensbedingungen. Todesursachen: Mangelerscheinungen, chronische Atemwegserkrankungen ebenso wie Vitamin-C- und Protein-Mangel und Arthrose. Und: Zahnpflege unbekannt - ein Großteil der Fundstücke deute auf Steinbrüche im Mund hin. Viele Frauen seien zwischen 15 und 25 Jahren gestorben. Das Leben sei wahrlich kein Zuckerschlecken gewesen, sagt Novaczek. Bis zu 120 Grabstellen vermuten Novaczek und Prof. Stephan in unmittelbarer Umgebung der Kirche, bis zu 200 könnten es im weiteren Umfeld sein. Die Archäologen wollen nach Auswertung der Funde eine Rekonstruktion der Ruine Winnefeld versuchen. Das Grabungsgelände soll nach den Vorstellungen von Prof. Stephan zugänglich bleiben. Doch die Zukunft ist angesichts der leeren Kassen ungewiss: Wir suchen dringend Unterstützung, macht der Grabungsleiter deutlich. Vor Ort graben Experten aus Frankreich, Japan, Tschechien, Polen und Deutschland. Die Kosten für das nächste Jahr schätzt der Professor auf 90000 Euro. Doch es lohne sich, denn die Fundstelle sei einmalig wichtig. Es sei bundesweit die größte romanische Kirchenruine, aus der viel über das Leben der Menschen im Mittelalter zu erfahren ist, sagt Prof. Stephan. Von Jürgen Dumnitz