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Göttinger Tageblatt

Böhmische Söldner nach wirtschaftlichem Boom

Unter der Leitung des Göttingers Prof. Hans-Georg Stephan haben Wissenschaftler zwei mittelalterliche Wüstungen im Solling ausgegraben. Die Überreste künden von Wohlstand und Macht, aber auch von Leid und schlimmen Katastrophen.

Von Jens Wucherpfennig
Das Ende für die Einwohner von Winnefeld und Schmeessen bei Uslar war grausam. 1447 marodierten Söldner aus Böhmen durch das Land. Sie plünderten und steckten alles in Brand – sehr wahrscheinlich auch die beiden jetzt ausgegrabenen Orte.

Dabei hatte alles einmal für Winnefeld und Schmeessen gut angefangen, wie Grabungsleiter Stephan erklärt. Die Anfänge der Besiedlung des Berglands Solling reichen vermutlich bis in die Steinzeit zurück. Erste dörfliche Siedlungen entstanden in der Karolingerzeit um 800. Die Funde aus dieser Zeit sind besonders prachtvoll. „Es war der sächsische Hochadel, der hier seine Herrenhöfe errichtete“, folgert Stephan. Stephan leitete bereits die Ausgrabung der Stadt Nienover, nur wenige Kilometer entfernt. Zwar lehrt der frühere Archäologe der Universität Göttingen jetzt in Halle, aber an den Grabungen sind weiterhin viele Göttinger Studenten beteiligt.


Natur schlägt zurück
Im 12. und 13. Jahrhundert kam es zu einem starken Bevölkerungsanstieg, der auch zur Gründung der Stadt Nienover führte. Schmeessen und Winnefeld blühten auf, „in Winnefeld lebten bis zu 200 Menschen“ – viel für mittelalterliche Verhältnisse. Die Größe und der Wohlstand des Dorfes zeigen sich auch an der ungewöhnlich großen und repräsentativen Dorfkirche. 30 Meter lang und mit bis zu 1,60 Meter dicken Mauern versehen war der romanische Bau. Gewöhnlich waren Dorfkirchen damals nur halb so groß und hatten auch kein steinernes Gewölbedach. „Die Region muss damals wirtschaftlich geboomt haben“, sagt Stephan. Untersuchungen an Skelettresten vom Winnefelder Friedhof zeigten: Neben Anzeichen von Mangelernährung und Krankeiten gab es auch Bewohner, die gesund sehr alt wurden. In der Expansion lag aber auch ein Grund für den anschließenden Niedergang: „Die Natur wurde durch den Menschen übernutzt“, so der Forscher. Im 14. und 15. Jahrhundert wurden fast alle Siedlungen im Solling aufgegeben. Den Todesstoß versetzten die böhmischen Söldner
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Veröffentlicht am 31.07.2008