Pressestimmen

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Beverunger Rundschau
07.05.2006 --.--.---- --.--.----


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Historisches Grubenhaus übergeben
Der Vorsitzende des KNDW übergab Bürgermeisterin Andrea Tyrasa symbolisch den Schlüssel für das neue Gebäude auf dem Lauenförder Dorfplatz.        	(Foto: Siebrecht)
Lauenförde (bs). Mit lautem Hörnerklang, Rauch und Bänkelsang wurde das neu errichtete Grubenhaus auf dem Dorfplatz in Lauenförde der Bevölkerung übergeben.
Stellvertretend nahm Bürgermeisterin Andrea Tyrasa den hölzernen Schlüssel in Empfang.
Das Grubenhaus wurde vom Verein Kultur-Naturhistorischer Dreiländerbund Weserbergland (KNDW) nach Vorbildern der Funde der Grabung Schmeessen im Solling errichtet.
Häuser dieser Art wurden im 7. Jahrhundert nach Christi in dieser Form gebaut und als Wohnhaus, Werkstatt, Lagerraum oder Stallung genutzt. Das Haus ist 1m tief in die Erde hineingebaut, hat einen Sockel und Fußboden aus Sandstein und besteht oberirdisch aus Holz und Lehm. Das Dach ist mit Holzbrettern gedeckt und mit Grassoden begrünt.
Durch die Bauweise - Einbau in eine Grube - ist das Haus im Inneren frostfrei.
Der KNDW konnte das Grubenhaus mit Hilfe von insgesamt achtundzwanzig sogenannten 1-Euro-Jobbern der Agenturen für Arbeit aus Holzminden und Uslar und seinem fest angestellten Mitarbeiter Manuel Sanchez errichten.
Beim Bau hat sich der Baumarkt Weische aus Beverungen als wertvoller Partner erwiesen.
Der KNDW wollte sich mit dem Bau des Hauses bei der Gemeinde Lauenförde für die jährliche Unterstützung bedanken und stellt den Bürgern das Haus zur Verfügung.
Wer das Grubenhaus für Vereinsveranstaltungen oder beispielsweise eine Kindergeburtstag nutzen möchte, kann sich an die Vereinsgemeinschaft wenden. Auch als touristisches Ziel kann das Grubenhaus in Zukunft das Leben auf dem Dorfplatz bereichern.
Zur feierlichen Übergabe durch den Vorsitzenden des KNDW Jürgen Koch, hatte die „Interessengemeinschaft Groner Kriegsknappen“ aus Göttingen mit ihrem Gefolge von „Weibern, Handwerkern und Händlern“ den Dorfplatz in ein Lager aus dem 13. Jhdt. verwandelt.
Die Söldner in historischer Kleidung stellten die Ehrengarde für die Bürgermeisterin. Für Unterhaltung sorgte die Musiker „Die Zwey von der Schankstellle“ aus Höxter mit ihren historischen Instrumenten und Gesang.
Wer das Spektakel verpasst hat, kann sich schon jetzt auf die geplanten Veranstaltungen des KNDW mit den Groner Kriegsknappen im Jahr 2010 freuen.

11. Okt. 2011
Lauenförde (pv).
Mit einer archäologischen Sensation konnte Prof. Dr. Hans-Georg Stephan, Grabungsleiter in Winnefeld und Schmeessen, jetzt überraschen. Bei einem Ortstermin im Waldgebiet bei Lauenförde waren neben dem Archäologie-Professor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg auch der stellv. niedersächsische Landesarchäologe Dr. Hans-Wilhelm Heine und der Leiter des Landesdenkmalamtes Dr. Stefan Winghardt anwesend. Begleitet wurden sie vom stellv. Grabungsleiter Johannes Litzel, Klaus Bosse (Ratgeber und Helfer des Kultur-Natur Historischen Dreiländerbundes Weserbergland e.V. - KNDW), Jürgen Koch (Vors. KNDW) und Manfred Köhler (KNDW). Prof. Dr. Stephan erläuterte, dass bei Ausgrabungsarbeiten in Schmeessen 5 Grubenhäuser entdeckt wurden.
Grubenhaus ist eine Bezeichnung bronzezeitlicher bis mittelalterlicher Hausfunde, bei denen die Archäologen außer Pfostenlöchern der Giebelpfosten eine Ausschachtung des Innenraumes fanden. Grubenhäuser waren überwiegend Nebengebäude. In vielen wurden Spuren handwerklicher Tätigkeit gefunden. So auch bei den Grubenhäusern in Schmeessen, die aus dem 8. bzw. 9. Jahrhundert, also aus der Karolingerzeit, stammten. An einer Stelle wurde beispielsweise ein Webgewicht gefunden. Besonders ungewöhnlich war der Fund von Tonscherben mit wellenförmigem Muster. Das ist völlig untypisch für die hiesige Region und auch das Material stammt nicht aus dieser Gegend.
Prof. Dr. Hans-Georg Stephan mutmaßt, dass sie von Flüchtlingen des Wikingerüberfalls auf Hamburg aus dem Jahr 845 stammten, die in Schmeessen eine neue Heimat fanden. Es waren im Prinzip Migranten aus dem frühen Mittelalter, die in einem Schmeesser Grubenhaus ihr Tagwerk verrichteten. Damit ist es erstmals gelungen, Anzeichen eines Flüchtlingslagers des Wikingerüberfalls so weit im Hinterland nachzuweisen. Diesbezüglich will man sich in naher Zukunft mit den „Hamburgern“ in Verbindung setzen. Im Moment wird in Winnefeld und Schmeessen mit 22 Personen, bestehend aus Euro-Jobbern und Studenten gearbeitet. Dabei werden im Minutenrhythmus Fundstücke aus dem Mittelalter und sogar aus der Steinzeit zutage gefördert.
Finanziert werden die Grabungen vom Landkreis Northeim, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und auch der KNDW hat einen großen Anteil an der Aufrechterhaltung der „Forschungsarbeiten“. Dabei ist die Finanzierung für das nächste Jahr noch nicht gesichert. „Aufhören möchten wir nicht, es wird jedes Jahr interessanter“, erklärte Prof. Dr. Hans-Georg Stephan abschließend.